Astronomische Aktivitäten

Gerlings astronomische Aktivitäten erstreckten sich auf Beobachtungen von Kometen,
Mond- und Sonnenfinsternissen, Sternbedeckungen und Asteroidenpositionen. Die Präzision
seiner astronomischen Messungen, die Kontrolle der Genauigkeit der Ausrichtung der
Teleskope und der Sternzeituhren zeichnen seine Arbeit aus. Einer seiner Schüler, Eduard
Schönfeld, wurde vor allem durch seine Beteiligung an der Erstellung einer sehr genauen
Sternenkarte des Nordhimmels, der so genannten Bonner Durchmusterung, berühmt.

Im engen wissenschaftlichen Austausch stand Gerling neben seinem Lehrer Carl Friedrich Gauß (Göttingen)
mit Johann Encke (erster Leiter der Berliner Sternwarte) und Friedrich Nicolai (Direktor
der Sternwarte in Mannheim), beides Mitstudenten von Gerling bei Gauß in Göttingen.

Den amerikanischen Astronom James Melville Gilliss konnte er von seiner Idee zur Bestimmung der
Astronomischen Einheit durch eine präzise Vermessung der Venusbahn in ihren Umkehrpunkten
überzeugen (ebenso wie Alexander von Humboldt). Gilliss organisierte für diese Messungen
die so genannte Expedition in die südliche Hemisphäre. Das Ergebnis der Expedition brachte leider
keine Verbesserung des Wertes der Astronomischen Einheit, was vor allem an der Unzulänglichkeit
der korrespondierenden Messungen der Astronomen in Nordamerika zuzuschreiben war. In Folge
dieser Expedition wurde jedoch die Sternwarte der Universität Santiago, die erste Sternwarte
Chiles, gegründet. Der erste Direktor war Carl W. Moesta aus Zierenberg, ein weiterer
Schüler Gerlings. Gerling legte damit den Grundstein für die astronomischen Forschungen
Chiles, welches heute die sehr bekannte Europäische Südsternwarte, die ESO, beheimatet.

Der schon erwähnte Eduard Schönfeld wurde zunächst Nachfolger von Friedrich Wilhelm Argelander in
Bonn und dann von Friedrich Nicolai in Mannheim. Der Gerling-Schüler Ernst Klinkerfüß, bekannt für
seine Kometenentdeckungen und Bahnanalysen, wurde Nachfolger von Gauß in Göttingen.