Sternkarten

Nach der Entdeckung der ersten vier Asteroiden zu Beginn des 19. Jh. wurde schnell klar, dass die bis dahin zur Verfügung stehenden Sternkarten von Lalande und Piazzi nicht ausreichten, um lichtschwächere Objekte zuverlässig zu identifizieren. Daher gab 1824 Friedrich Bessel den Anstoß zur Entwicklung einer bis zu einer Grenzgröße von 9 bis 10 Magnituden vollständigen Sternkarte für ein Band von 30 Grad um den Äquator. Am 1. November 1825 veröffentlichte Encke dann in den Astronomischen Nachrichten einen Aufruf an interessierte Astronomen und Sternwarten zur Beteiligung an diesem Projekt. Jeder teilnehmende Astronom sollte eine Karte von einer Breite von einer Stunde (15 Grad) anfertigen und als Anreiz bei Abgabe dafür eine Belohnung von 25 Holländischen Ducaten erhalten (Encke 1825). Gerling meldete sich bei Encke und erhielt von ihm im Auftrag der Kommission der Akademie, die sich um die Sternkarte kümmerte, die Zusage, dass er das Feld mit der Rektaszension 16 h bearbeiten solle (Encke 1826).

Berliner Akademische Sternkarte, Hora 20 Nachlass Chr. L. Gerling, Ms 319:179, Universitätsbibliothek Marburg Gerling verfügte zu dieser Zeit noch nicht über eine Sternwarte mit einem größeren festen Fernrohr, aber dies war für die Arbeiten an der Sternkarte auch nicht unbedingt erforderlich. Im November 1826 schrieb Gerling an Gauß, dass er sich „eine parallaktische Maschine für den Kometensucher gemacht habe“ und die Arbeiten an seinem Teil der Sternkarte begonnen hätte (Brief Nr. 174, Schäfer 1927). Zwei Jahre später im November 1828 erwähnte Gerling, dass die Arbeiten an der Berliner Sternkarte „seine Hauptkraft im Sommer“ 1828 in Anspruch genommen hätte (Brief Nr. 178, Schäfer 1927). Allerdings müssen Gerlings Aktivitäten an der Sternkarte dann ins Stocken geraten sein, 1831 erhielt er einen Brief von Encke im Auftrag der Kommission mit einer Ermahnung, dass die Fertigstellung seines Teils der Sternkarte überfällig sei. Im Zwischenbericht der Kommission über den Fortgang der Arbeiten an der Sternkarte aus dem Jahre 1833 erwähnte Encke, dass Gerling die Fertigstellung der Stunde 16 nach wie vor vorhabe, er aber kein Datum dafür angeben könne (Encke 1833). Allerdings konnte Gerling immer weniger Zeit für seinen Beitrag zu diesem Projekt finden, so dass er seine Arbeiten dann 1840 abbrach. Encke teilte ihm am 25. Februar 1840 mit, dass Dr. Jabob Philipp Wolfers, Berlin, diesen Teil der Karte nun übernehmen sollte. Wolfers vollendete die Arbeiten an der 16. Stunde der Karte, so dass sie 1843 gedruckt werden konnte (Wolfers 1843).

Wolfers erwähnte im Nachwort, dass Gerlings Vorarbeiten „mir namentlich bei der Reduction der Sterne wesentliche Dienste geleistet haben. In manchen Fällen konnte ich durch Vergleichung mit Gerlings Reduction sogleich Gewissheit erhalten“, und er bedankte sich innigst dafür.

  • Encke, Johann Franz (1825): „Entwurf zu einer Herausgabe neuer Himmelskarten“, Astron. Nachr. 4 (88), 297.
  • Encke, Johann Franz (1826): Schreiben von Encke an Chr. L. Gerling vom 4. Mai 1826, in: Nachlass von Chr. L. Gerling, Universitäsbibliothek Marburg, Ms 319, 179.
  • Encke, Johann Franz (1833): „Bericht über den Fortgang des Unternehmens der akademischen Sternkarten“, Astron. Nachr. 11 (243), 33.
  • Schäfer, Clemens (1927): „Briefwechsel zwischen Carl Friedrich Gauß und Christian Ludwig Gerling”, Otto Elsner Verlagsgesellschaft M.B.H., Berlin.
  • Wolfers, Jabob Philipp (1843): „Verzeichnis der von Bradley, Piazzi, Lalande und Bessel beobachteten Sterne in dem Theile des Himmels zwischen 15h 56‘ bis 17h 4‘ gerader Aufsteigung und 15° südlicher bis 15° nördlicher Abweichung“, in: „Akademische Sternkarten“, Königliche Akademie der Wissenschaften, Berlin.