Meteorologischer Turm

Der meteorologische Turm auf dem Schlossberg in MarburgAuf der Kuppe des Schlossberges in Marburg steht in knapp 600 m Entfernung in west-südwestlicher Richtung ein alter Turm, der früher als Pulverturm diente. Gerling ließ den Turm, einen 2-stöckigen quadratischen Bau, zum meteorologischen Turm umrüsten. Auf dem ebenen Dach errichtete er vier Steinpfosten zum Aufstellen von geophysikalischen, meteorologischen und astronomischen Geräten.

Eine erste große Anwendung fand der Turm für die Magnetfeldmessungen, die Gerling auf Bitten seines Lehrers Carl Friedrich Gauß für den Magnetischen Verein in Göttingen dort regelmäßig durchführte. Der Magnetische Verein hatte sich das Ziel gesetzt, die kleinen Schwankungen und Unregelmäßigkeiten des Erdmagnetfeldes weltweit synchron zu vermessen, in der Hoffnung, globale Effekte des Erdmagnetfeldes und den Einfluss des Sonnenwindes ermitteln und trennen zu können. Dazu wurden an bis zu 50 Observatorien, verteilt auf der ganze Erde, zu verabredeten Terminen in den Jahren von 1836 bis 1841 die Schwankungen des Magnetfeldes aufgezeichnet. Die Ergebnisse dieser so genannten Terminmessungen wurden dann nach Göttingen gemeldet und dort ausgewertet. Die Messungen wurden auch nach 1841 noch fortgesetzt. Eines der verwendeten Magnetometer, ein Inklinatorium von Meyerstein, befindet sich heute in der Physikalischen Sammlung der Philipps-Universität.

Gerling nutze den Turm, von dem aus man freie Sicht zur Wehrshäuser Höhe und zum Frauenberg und zur neu errichteten Sternwarte am Renthof hatte, um die Position der Sternwarte mit hoher Präzision zu bestimmen. Wehrshäuser Höhe und Frauenberg waren beides Messpunkte der zweiten Kategorie der Kurhessischen Triangulierung.

Weiterhin wurde der Turm für allerlei meteorologische Messungen genutzt, u.a. für Messungen der Luftelektrizität. Franz Melde, Gerlings Nachfolger, richtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts dort eine professionelle meteorologische Messstation ein.