Monddistanzen

Ein mit den Sternbedeckungen durch den Mond sehr eng verwandtes Verfahren ist die Längenbestimmung durch Monddistanzen. Die Sternbedeckungen heller Sterne finden leider nicht so häufig statt, um für eine tägliche Positionsbestimmung in der Navigation auf See nutzbar zu sein. Hat man jedoch im Voraus berechnete Positionen des Mondes, dann kann diese ja auch durch die Abstände des Mondes zu hellen Sternen – den Monddistanzen - mit für die Navigation ausreichender Genauigkeit bestimmen.

Monddistanz Marburg-GreenwichMan benötigt also eine Tabelle mit der Mondposition oder den Monddistanzen zu hellen Sternen für jede der kommenden Nächte an einem Bezugsort auf der Erde. An einen anderen Ort auf der Erdkugel wird man diese Monddistanzen dann um die Parallaxe verschoben beobachten. Und aus diesem Unterschied kann die geographische Länge der eigenen Position auf der Erdkugel nun ermittelt werden.

Im nebenstehenden Bild können Sie den Effekt der Parallaxe zwischen einem Bebachter in Marburg (oberes Teilbild) und einem in Greenwich (unteres Teilbild) gut erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

Einer der ersten Astronomen, die solche Tabellen erstellten, war Tobias Mayer in Göttingen (1723 – 1762). Seine Tabellen, die er 1755 an den englischen Astronomen James Bradley, Greenwich, schickte, waren die Grundlage für die Ortsbestimmungen der dänischen Arabienexpedition (1761 - 1767) von Carsten Niebuhr, der ersten großen wissenschaftlichen Anwendung dieses Verfahrens. Nevil Maskelyne, der Nachfolger Bradleys im Amt des Astronomer Royal in Greenwich,  gab ab 1767 die Nautischen Tabellen (Nautical Almanac) heraus, in denen ein Jahr im Voraus berechnete Monddistanzen und einfache Vorschriften zur Berechnung der geographischen Position enthalten waren. Diese Tabellen wurden vor allem wegen der Einfachheit der Handhabung auch für nicht sehr versierte Astronomen noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zur Navigation auf See verwendet.