Verein ist gegründet!

Freitag, 10. September 2010, 18:59 Uhr

Per aspera ad astra – mit den Steinen zu den Sternen! Unter diesem Motto trafen sich am Montag, den 6. September 2010 am Frauenberg im Hotel Seebode elf begeisterte Privatpersonen, Mitglieder der Philipps-Universität, Mitglieder des Magistrats der Stadt Marburg und Mitglieder der Volkssternwarte Marburg e.V. zur Gründung des Vereins „Parallaxe und Sternzeit“.

Ihre Mitgliedschaft und Mitarbeit haben auch Mitarbeiter des Amtes für Bodenmanagement in Marburg und der entsprechenden Abteilung des Ministeriums in Wiesbaden zugesagt. Anlass war die Enthüllung des sanierten Meridiansteins der Gerling-Sternwarte der Universität Mitte August.

Der Zweck des Vereins soll es sein, die astronomische Allgemeinbildung der Bevölkerung durch die Errichtung von öffentlich zugänglichen astronomischen und geodätischen Beobachtungs- und Informationsstätten in und um Marburg zu fördern und das Erbe von Christian Ludwig Gerling, der von 1817 bis 1864 als Astronom und Geodät in Marburg wirkte, zu bewahren.

Christian Ludwig Gerling, ein Schüler des berühmten Mathematikers und Astronomen Carl Friedrich Gauß, wirke von 1817 bis 1864 in Marburg als Geodät und Astronom. Bekannt ist er für die Organisation und Auswertung der Kurhessischen Triangulierung, der Landvermessung, die er von 1823 bis 1837 im Auftrag des Kurfürsten durchführte. Etwas weniger bekannt ist die von ihm initiierte und vom amerikanischen Kongress finanzierte Expedition in die südliche Hemi-sphäre von 1849 bis 1852 zur Vermessung des Abstands Erde-Sonne. Sein Schüler, Carl Wilhelm Moesta, wurde erster Direktor der Sternwarte in Santiago, die im Rahmen der Expedition gegründet, und die später der Universität angegliedert wurde.

 

 

 

Gerlings Wirken hinterließ deutliche Spuren in Marburg und Umgebung:

Die Vermessungssteine der Kurhessischen Triangulierung

Der Auftrag des Kurfürsten war die Vermessung Kurhessens und die Anbindung an angrenzende Landesvermessungen. Gerling nutze Berghöhen, Kirchtürme und eigene errichtete Signaltürme zum Anpeilen: insgesamt 24 Haupt- und 17 Zwischenpunkte sind belegt. Die Amöneburg, der Dünsberg und Hasserod sind die nächstgelegenen Hauptpunkte, der Meteorologische Turm am Schlossberg, die Wehrshäuser Höhe und der Frauenberg die nächsten Zwischenpunkte. Zum präzisen Aufstellen der Messgeräte ließ er feste, stabile Steinpfosten eingraben. Der berühmteste dieser Steine befindet sich am Frauenberg, wo Gerling 1837 eine bahnbrechende astronomische Längendifferenzbestimmung von Göttingen-Marburg-Mannheim durchführte.

Die Gerling-Sternwarte der Universität

Die Sternwarte am Renthof 6 ist Teil des alten Dörnberger Hofes, den Gerling 1838 als Institutsgebäu-de erhielt. 1841 nahm er das Gebäude und die neu eingerichtete Sternwarte in Betrieb. Seine haupt-sächlichen Instrumente waren ein Passageinstrument der Firma Ertel & Sohn mit etwa 60 cm Brenn-weite. Er und seine Mitarbeiter nutzten es für präzise Sternpositionsmessungen. Gerling beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit der Verbesserung der astronomischen Zeit- und Positionsbestimmung und trug somit auch zur Erhöhung der Präzision der Sternenkataloge bei. In Zusammenhang mit den Präzisionsmessungen an der Sternwarte errichtete Gerling Peilsteine zur genauen Justierung des Teleskops. Der Meridianstein befindet sich in 3,77143 km Entfernung von der Sternwarte exakt im Norden der westlichen Beobachtungssäule in Wehrda in einem Wäldchen in der Nähe der Kupferschmiede. Der Stein wurde 1842 aufgestellt und 2010 saniert. Der Oststein befindet sich exakt im Osten in 1,22617 km Entfernung von der Sternwarte am Ortenberg, in der Nähe des Aufstiegs zum Spiegelslustturm. Der Stein wurde 1863 errichtet. Er ist noch original erhalten! Der gleichzeitig mit dem Oststein errichtete Weststein befand sich im Westen der Sternwarte in 1,43132 km Entfernung in Marbach. Er wurde wohl im Zuge der dortigen Bebauung entfernt und ist verschollen.

Förderverein „Parallaxe und Sternzeit“

Die Ziele des Vereins sollen unter anderem durch die Errichtung eines astronomisch-geodätischen Lehrpfades aus Informationstafeln und Exponaten am Frauenberg und am Meridianstein verwirklicht werden. Eine erste Tafel am Meridianstein ist bereits in Fertigung, für den Frauenberg ist ein Exponat zur Erklärung der „Sternzeit“ in Planung. An weiteren Stationen könnten etwa die „Sonnenzeit“, eine Dreiecksmessung (Parallaxemessung), die Bestimmung des geographischen Ortes und die Erdkrümmung verdeutlicht werden.

Grundlage für die präzise Vermessung der Sterne ist die Kenntnis der Sternbilder, die Orientierung am Sternenhimmel. Dazu soll das Planetarium der Universität mit erweiterter Technik ausgestattet und in den neuen Räumen des Chemikums in der Bahnhofstraße untergebracht werden. Der Verein unterstützt den Ausbau der Projektoren des Planetariums.

Weiterhin möchte der Verein Veranstaltungen zur Astronomie und Geodäsie organisieren, wie z.B. Angebote im Rahmen des Schülerferienprogramms und der Volkshochschule.

 

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