"Vestival" in der Ruine Frauenberg

Freitag, 5. August 2011, Frauenberg, ab 21:30 Uhr

Suchen Sie den Asteroid "Vesta" mit uns am Frauenberg, am 5. August, ab 21:30 Uhr!

Der Asteroid Vesta wurde als 4. Asteroid im Jahre 1807 von Heinrich Olbers entdeckt und gehört mit etwa 530 km Durchmesser zu den wenigen großen Himmelskörpern im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Die Oberfläche von Vesta reflektiert das Sonnenlicht erstaunlich stark, so dass Vesta unter guten Bedingungen von der Erde aus sogar mit dem bloßen Auge entdeckt werden kann.

In diesem Jahr steht Vesta am 5. August in Oppositionsstellung – also entgegengesetzt zur Sonne am Nachthimmel – und kann bei guten Bedingungen im Südosten etwa 15 Grad über dem Horizont im Sternbild des Steinbocks erspäht werden.

Zurzeit findet sich der Kleinkörper im Focus der Öffentlichkeit: die Raumsonde Dawn erreichte vor kurzem diesen Asteroiden und liefert seit etwa 14 Tagen Detailbilder in bestechender Qualität (http://dawn.jpl.nasa.gov/). Um eine Raumsonde zu einem der abertausenden Kleinkörper zwischen Mars und Jupiter in unserem Planetensystem zu senden, bedarf es präziser Kenntnisse der Bahnen dieser Himmelskörper.

Es war eine der Aufgaben, der sich die Astronomen im 19. Jahrhundert stellten, die Bewegungen der neuentdeckten "Planeten" (so nannte man sie damals noch) zu studieren. Die Schwierigkeiten lagen in den noch nicht sehr präzisen Sternkarten und in der Berücksichtigung aller Störungen durch die größeren Planeten. Christian Ludwig Gerling erhielt von Carl Friedrich Gauß die Aufgabe, die Bahn der Vesta während der ersten Oppositionen zu verfolgen und vorauszuberechnen. Von 1812 bis 1817 widmete er sich dieser Aufgabe, sammelte dazu die Beobachtungen aller großer Sternwarten Europas und ermittelte so die „Ephemeriden“ – die vorher berechneten Positionsangaben – des Asteroiden.

Mit dem Aufbau der Sternwarte in Marburg gab Gerling sein Wissen um die Bahnberechnungen aus Beobachtungen an seine Schüler weiter. So finden wir zahlreiche Asteroidenbeobachtungen in Marburg, darunter eine der frühesten Beobachtungen der "Irene", des 14. Asteroiden, vom 27. Mai 1851 durch Eduard Schönfeld. Otto Lesser untersuchte die Bahnstörungen der "Metis" und der "Thetis", Ernst Klinkerfues widmete sich – dann schon als Nachfolger von Gauß in Göttingen – den Bahnen der "Circe" und der "Psyche".

 

Herzliche Einladung zu unserem "Vestival" am Freitag, den 5. August, in der Ruine Frauenberg. Bei klarer Sicht finden Sie dort ab etwa 21:30 Uhr die Fans der Vesta! Zu sehen gibt es dann natürlich noch andere Schätze am Nachthimmel: "Garradd" - ein kleiner Komet - passiert gerade den einige hunderttausend Sterne zählenden Kugelsternhaufen M15, die ersten "Laurentiustränen" tauchen auf, und vieles mehr.

Nachtrag
Leider ist der Himmel an diesem Abend doch sehr bewölkt, vor allem im Horizontnähe ist nichts zu sehen. Wir werden versuchen, zu einem späteren Termin erneut eine Vestabeobachtung anzubieten.