Historischer Vermessungsstein auf dem Frauenberg wieder an ursprünglichem Platz

Freitag, 2. September 2011

Im Jahr 1837 hat Prof. Christian Ludwig Gerling, der damalige Leiter der Marburger Universitätssternwarte, auf dem Frauenberg bei Beltershausen eine bemerkenswerte Längengradbestimmung durchgeführt. Diese Messung hat zum Einen der Verbindung der damaligen "großen" Sternwarten in Göttingen und Mannheim gedient, zum Anderen aber auch der Überprüfung der geodätischen Lagerung der von Gerling zuvor geschaffenen Landestriangulation von Kurhessen. Zur Durchführung dieser bedeutenden Messungen - einem der ersten Vergleiche von astronomisch und geodätisch ermittelten Längendifferenzen - hat Gerling auf dem Frauenberg einen mächtigen Steinpfeiler eingebracht, auf dem er seine Beobachtungsinstrumente aufbauen konnte. Diese Station war auch gleichzeitig ein wichtiger Dreieckspunkt der kurhessischen Landestriangulation, die im 19. Jahrhundert die Grundlage für die topgraphischen Karten und das Grundstückskataster im damaligen Herrschaftsbereich gebildet hat.

Das starke Team des AfB, Marburg, und des HLBG, WiesbadenDer Steinpfeiler war bis zum zweiten Weltkrieg unversehrt geblieben. 1948 wurde er vom damaligen Hessischen Landesvermessungsamt umgestürzt vorgefunden, aber wegen seines hohen Gewichtes (über 1 Tonne) und der damals fehlenden techni-schen Hilfsmittel nicht wieder aufgestellt. Später ist der Steinpfeiler von unbe-kannter Seite in der Nähe seines ursprünglichen Standortes neu gesetzt worden.

Im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des Gerling'schen Erbes an der Marburger Universitätssternwarte durch dessen heutigen Leiter Herrn Priv. Doz. Dr. Andreas Schrimpf, bei der seit 2008 auch 2 Orientierungssteine aus den Jahren 1842 und 1861 aufgefunden und tlw. restauriert wurden, rückte auch die alte Gerling'sche Beobachtungsstation auf dem Frauenberg wieder verstärkt in das Interesse der Fachöffentlichkeit. Dabei hat das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation in Wiesbaden (HLBG) zunächst ermittelt, dass die ursprüngliche Lage des Beobachtungspfeilers etwa 2,5 m vom bisherigen Standort entfernt liegt. Im Frühjahr 2011 konnte dann auch die relative Höhenlage des Steines und seine Ausrichtung nach Norden aufgrund alter Fotos wieder zweifelsfrei rekonstruiert werden. Damit waren alle Voraussetzungen geschaffen, dieses bedeutende Zeugnis des astronomischen und geodätischen Wirkens von Prof. Gerling in Hessen wieder authentisch in der Örtlichkeit herzustellen. Diese Maßnahme dient den Zwecken der Nur mit schwerem Gerät lässt sich der tonnenschwere Stein versetzten.Landesvermessung und des Denkmalschutzes gleichermaßen und wurde am 23. August 2011 gemeinsam von Mitarbeitern des HLBG und des Amtes für Bodenmanagement Marburg (AfB) durchgeführt.

Der Gerling'sche Steinpfeiler auf dem Frauenberg kann nun in seiner historischen Lage von 1837 sowohl in die Denkmaltopographie als auch in die amtlichen Festpunktnachweise des HLBG übernommen werden. Dr. Andreas Schrimpf von der Universitätssternwarte Marburg zeigte sich von dieser Maßnahme hocherfreut und sicherte zu, bei der Pflege dieses astronomisch-geodätischen Kleindenkmals auf dem Frauenberg mit Unterstützung des 2010 gegründeten Fördervereines "Parallaxe und Sternzeit" tatkräftig mitzuwirken.