175 Jahre Längendifferenzmessungen am Frauenberg - der Abschluss der Kurhessischen Triangulierung

Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 9. September 2012, 14-17 Uhr
Ruine Frauenberg und  Burgruine Amöneburg

Auf den 9. September 2012 fällt der 175. Jahrestag einer bedeutenden Messung auf dem Frauenberg bei Marburg. Der Verein „Parallaxe und Sternzeit e.V.“ lädt zu einem Erlebnistag der Geodäsie ein!

Wie erstellt man eigentlich eine Landkarte, zum Beispiel eine Wanderkarte oder eine Straßenkarte für einen Navigationscomputer? Nun, man kann sich vielleicht noch vorstellen, ein Grundstück mit einem Maßband direkt zu vermessen und alles genau in eine verkleinerte Karte zu übertragen. Aber so kann man sicher keine Landkarte erstellen. Heutzutage gibt es Satelliten, mit deren Hilfe hochgenaue Karten erstellt werden können. Aber wie hatte man so etwas vor der Entwicklung von GPS und Zeitzeichensendern gemacht?

Karte der Kurhessischen Triangulierung von 1821 - 1837An der Philipps-Universität wirkte Anfang des 19. Jahrhunderts  Christian Ludwig Gerling einer der führenden Wissenschaftler der damaligen Zeit.  Er beschäftigte sich mit der Geodäsie – der Vermessung der Erde. Seine Messgeräte waren Theodoliten – Winkelmessgeräte -  zum Anpeilen von markanten Punkten der Landschaft. Gerling übernahm die Aufgabe, eine einheitliche geodätische Grundlage für die Karten Kurhessens zu erstellen und diese an die benachbarter Landvermessungen anzuschließen. Von 1822 bis 1837 führte er in zwei Etappen die so genannte Kurhessische Triangulierung durch und überzeugte durch eine für damalige Verhältnisse außerordentliche Präzision. Die Zeugnisse seiner Arbeit sind über ganz Hessen verteilte Vermessungssteine.  In der Nähe von Marburg gibt es ein besonders mächtiges Exemplar auf dem Frauenberg; der Stein auf der Amöneburg ist nicht mehr vorhanden, jedoch seine Lage ist örtlich markiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus Gerlings Messtagebuch Zeit-Bestimmungen, Messtage 8. und 9. September 1837Als Astronom wusste er auch um den hohen Nutzen der Sterne, um Orte auf der Erde genau zu vermessen. Im Sommer 1837 führte er zum Abschluss der Kurhessischen Triangulierung am Frauenberg eine bahnbrechende astronomische Messung der Längendifferenzen zwischen Göttingen, Marburg und Mannheim durch.  Damit eröffnete er das neue Gebiet der Lotabweichungen, der Vermessung der lokalen unregelmäßigen Krümmung der Erde! Der 175. Jahrestag dieser Messungen fällt auf den 9. September 2012.

Lassen Sie sich am Tag des offenen Denkmals entführen in die Welt der Geodäsie und Astronomie zu Beginn des 19. Jahrhunderts!  Auf der Ruine am Frauenberg und auf der Burgruine Amöneburg stehen Ihnen für Fragen und Vorführungen  Mitarbeiter des Amts für Bodenmanagement Marburg, des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformationen Wiesbaden, der Militärgeschichtlichen Sammlung Stadtallendorf und des Fachbereichs Physik der Philipps-Universität Marburg, die Koordination hat der Verein „Parallaxe und Sternzeit e.V.“ übernommen.

Am Frauenberg erleben Sie anschauliche Demonstrationen von Winkelmessungen, erhalten Sie Erläuterungen zur Kurhessischen Landvermessung, und Sie verfolgen eine astronomische Zeitbestimmung, aus der die astronomische Länge des Frauenbergs berechnet werden kann.

Auf der Amöneburg wird eine historische Signalpyramide aufgestellt. Auch hier können Sie mit einem Theodolit markante Landschaftspunkte selber anpeilen und Erläuterungen zur Landvermessung Gerlings erhalten. Außerdem finden Sie dort eine kleine Ausstellung originaler Mess- und Hilfsgeräte von Gerling aus der Physikalischen Sammlung der Philipps-Universität Marburg sowie einige Vermessungsgeräte der Militärgeschichtlichen Sammlung Stadtallendorf.