Asteroid "Marburg" in Reichweite

Samstag, 13. April 2013

Mindestens drei „Marburg“ sind bekannt: Marburg an der Lahn – im schönen Hessenland, Marburg an der Drau – in Slowenien gelegen, dort heißt es Maribor, und Marburg im Asteroidengürtel – dort heißt „es“ 2008 CW116 oder 256813 Marburg.

Position von "Marburg" berechnet mit dem NASA Programm HORIZONSAlle drei sind etwa gleich groß, wenn man nicht zu genau hinschaut. Der Asteroid hat einen geschätzten Durchmesser von einigen wenigen Kilometern, würde also gut in das Lahntal passen. Er umkreist die Sonne in ca. 2,7 mal so großer Entfernung wie unser Marburg auf der Erde und braucht für einen Umlauf um die Sonne knapp 4.5 Jahre. Er wird also regelmäßig von der Erde überholt (da sie ja nur ein Jahr für einen Umlauf benötigt), diesmal passiert die Erde den Asteroiden am 14. April 2013 um 21 Uhr.

Dabei nähern sich diese beiden Marburgs auf 270,44 Mio km an. Zugegeben, noch ist dies nicht eine Entfernung für einen Ausflug am Sonntag Nachmittag, aber vielleicht wird es ja in einiger Zukunft möglich sein, diesem sehr alten Brocken aus der Frühzeit unseres Sonnensystems einen Besuch abzustatten.

Noch müssen wir uns also auf Beobachtungen von der Erde aus beschränken. Aber auch das ist nicht ganz leicht: der doch für einen Himmelskörper recht kleine Asteroid spiegelt nur sehr wenig Licht von der Sonne zurück. Seine scheinbare Helligkeit erreicht 19,90 Magnituden, er leuchtet also ca. 20 Magnituden dunkler als die Wega. Dies entspricht etwa einer 100 Mio mal geringeren Helligkeit als die der Wega! Mit bloßem Auge kann der Asteroid leider selbst durch das stärkste Teleskop von der Erde aus nicht erspäht werden. Nur in ganz klaren Nächten ist es durch Aufnahmen mit sehr lichtstarken Optiken und empfindlichen Kameras möglich, dieses entfernte Marburg auf einen CCD-Chip zu bannen, um anschließend daraus in einer aufwendigen Analyse auch wirklich diesen Kleinkörper anhand seiner Bewegung zu identifizieren.

Entdeckt wurde das himmlische Marburg im Jahr 2008 von Erwin Schwab und Rainer Kling, beides Astronomen des Frankfurter Physikalischen Vereins, in der Taunussternwarte des Vereins. Die Taufe auf den Namen „Marburg“ wurde aufgrund der historisch ersten Asteroidenmessungen Hessens in der Gerling-Sternwarte in Marburg Mitte des 19. Jahrhunderts gestattet. In der Urkunde und im Eintrag im „Minor Planet Center“ heißt es dazu:

(256813) Marburg = 2008 CW116
Discovered 2008 Feb. 11 by E. Schwab and R. Kling at Taunus.

Marburg is a German city, first mentioned in 1138. A castle and Germany's oldest gothic church dominate the medieval cityscape. In 1527 the oldest protestant university in the world was founded, which has operated the Marburg Observatory (later renamed Gerling Observatory) since 1841.

Die Kenndaten des Asteroiden sind auf einem Server der NASA unter dem Link
http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?sstr=256813;orb=1;cov=0;log=0;cad=0#elem
einsehbar. Eine Berechnung der Bahnbewegung und damit z.B. des Abstandes zur Erde und der Helligkeit kann mit dem NASA Programm HORIZONS (http://ssd.jpl.nasa.gov/horizons.cgi) recht einfach durchgeführt werden.


Am kommenden Wochenende werden Astronomen des Fachbereichs Physik der Philipps-Universität gemeinsam mit Mitgliedern der Volkssternwarte Marburg versuchen, mit dem sehr lichtstarken neuen Teleskop der Volkssternwarte den Asteroiden zu fotografieren.