Die Gerling-Sternwarte und die Physikalische Sammlung

Freitag, 21. Juni 2013, ab 18 Uhr: Die "Nacht der Kunst" am Renthof 6

Zeitmessungen und Asteroidensuche in der alten Sternwarte am Renthof

Meridianstein der Gerling SternwarteEin einzigartiges astronomisches Erlebnis präsentiert der Verein „Parallaxe und Sternzeit“ gemeinsam mit dem Fachbereich Physik in der Nacht der Kunst. Astronomiefans haben am Freitag, 21. Juni, die Gelegenheit, in die Arbeit der Astronomen des 19. Jahrhunderts hautnah einzutauchen. An historischer Stelle wird wie vor mehr als 150 Jahren wieder ein Teleskop in der Gerling-Sternwarte am Renthof auf dem Himmelsmeridian ausgerichtet – und zwar mithilfe des Meridiansteines in Wehrda.

Wo einst der Gelehrte Christian Ludwig Gerling die aktuelle Sternzeit astronomisch bestimmt hat, können nun auch Interessierte anhand eines sogenannten Sterndurchgangs im Meridian – einer Passage – die historischen Messungen Schritt für Schritt verfolgen.

Im 19. Jahrhundert waren die Zeitmessungen eine Domäne der Sternwarten. In Marburg hat Gerling für die korrekte Zeitmessung gesorgt. Die Sternwarte im Renthof diente aber nicht nur zur exakten Bestimmung der lokalen Ortszeit, sondern auch zur Vermessung der Sternpositionen am Sternenhimmel. Die so verbesserten Sternkarten ermöglichten später die genauere Positionsbestimmung von Planeten und Kleinplaneten in unserem Sonnensystem.

Eine präzise Justierung der Teleskope war absolut notwendig. Da diese in der damaligen Zeit sehr aufwendig war, setzte man Justiersteine in Sichtweite der Sternwarten. Gerling errichtete seine Justiermarke, den Meridianstein, exakt im Norden der Sternwarte; in 3771,43 m Entfernung von der Säule seines Teleskops.

Los geht es ab 18 Uhr – in Führungen in kleinen Gruppen bis zu 10 Personen.

Um 21 Uhr können Sie im Vortrag  Die Entdeckung der Asteroidenin die Geschichte der „Himmelspolizey“ einsteigen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts sich auf die Suche nach einem „achten Hauptplaneten“ zwischen Mars und Jupiter machte – und dabei die Asteroiden entdeckte. Einer der Asteroiden trägt seit Oktober 2011 den Namen „Marburg“. Klar, das hat etwas mit den Beobachtungen zu tun, die im 19. Jahrhundert in der Gerling-Sternwarte durchgeführt wurden!

Die Physikalische Sammlung – ein Streifzug durch die Geschichte der Physik in Marburg

Das Breithauptsche Universalinstrument wurde zur Kurhessischen Landestriangulierung genutzt.Im Innenhof des Renthof 6 – zu Fuß der "Alten Sternwarte" – können Sie einen Einblick in die Wunderwelt früherer Mess- und Experimentiertechnik erleben. Experimente helfen, die Naturphänomene besser zu verstehen, sie zu analysieren und durch grundlegende Zusammenhänge beschreiben zu können. Die Anschaffung von Geräten im 17. Jahrhundert zur Demonstration von Naturphänomenen betrachtet man heute als die Gründung der „Physik“ als eigenständige Wissenschaft. Neben alten Pumpen (aus dem 17. Jahrhundert!), Elektrisierapparaten, Mikroskopen etc. erfahren Sie Details zur Geschichte „der Physik“ in Marburg.

Die Sammlung ist am 21. Juni ab 18 Uhr geöffnet, Führungen und Vorführungen  werden regelmäßig wiederholt.