Astrometrische Messungen von Asteroiden

Im Jahre 1841 war Gerlings Sternwarte endlich nutzbar. Die ersten Messungen beschäftigten sich noch mit der genauen Positionsbestimmung der Sternwarte selber, also mit Sternpositionsmessungen bzw. Sternzeitmessungen für eine astronomische Ortsbestimmung und Triangulationen für eine geodätische Ortsbestimmung. Als dann im Jahre 1846 von Johann Gottfried Galle in Berlin der Planet Neptun entdeckt wurde, begann auch Gerlings Interesse an Planeten und Kleinkörpern im Sonnensystem wieder zuzunehmen. Seine Schüler regte er zur Beobachtung und Vermessung der Himmelskörper unseres Sonnensystems an:

  • Wilhelm Klinkerfues führte 1849 die ersten publizierten astrometrischen Messungen in Gerlings Sternwarte durch. Er berichtet in den Astronomischen Nachrichten Nr. 30, 12/1849 von seinen Messungen am Planeten Neptun und am Asteroiden Ceres. Ab 1851 wirkte Klinkerfues in Göttingen, später dann als Nachfolger von C.F. Gauß. Dort führte er weitere Messungen an verschiedenen Asteroiden durch.
  • Eduard Schönfeld beobachtete den am 19. Mai 1851 von John Hind in Greenwich neu entdeckten 14. Asteroiden Irene bereits am 27. Mai 1851, also nur 8 Tage nach dessen Entdeckung, publiziert in den Astronomischen Nachrichten Nr. 32, 06/1851. Diese Messungen sind noch heute in der Datenbank des Minor Planet Center gespeichert und werden zu Bestimmung der Bahn benutzt. Es ist der früheste Eintrag von Messungen an der Gerling-Sternwarte im Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Vereinigung IAU. Erstaunlich ist, dass die Publikation über die Entdeckung des Asteroiden zu dieser Zeit noch nicht erschienen war und dort als einzige Messungen aus Deutschland die von M. Rümker aus Hamburg vom 24. Mai bis zum 1. Juni 1851 erwähnt werden. Gerling erwähnt die Messungen an seiner Sternwarte auch in einem Brief an C.F. Gauß vom 31. Mai 1851.

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